Selbstversorgung in Krisenzeiten: Erst der Vorrat, dann der Garten

Selbstversorgung in Krisenzeiten klingt nach Beet statt Supermarkt: Die Regale sind leer, du erntest selbst. Ein Garten macht dich in der Krise aber nicht satt, er lässt deinen Vorrat länger reichen. Für Gemüse, Kartoffeln und Obst rechnet eine vom BZL zitierte Studie mit rund 85 Quadratmetern pro Person, die meisten Kalorien kommen weiter aus dem Regal.

Ich mache Krisenvorsorge seit 2019, mein Haushalt hat drei Personen. Zehn Tage Vorrat sind mein Minimum. Auf dem Balkon stehen bei mir zwei Hochbeete, 2026 mit Tomaten, Gurken und Erdbeeren, als frische Abwechslung zu den Konserven. Meine Reihenfolge ist: erst der Notvorrat, dann Anbau und Lagerung.

Aktualisiert : Zahlen von BBK, BLE, BZL und Verbraucherzentrale geprüft

Kleines Hochbeet mit blühenden Erdbeerpflanzen, dahinter Kohl und Mangold
Foto: Luis Gallardo / Pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • BBK: Vorrat für möglichst 10 Tage, schon 3 Tage helfen (Stand 11/2025).
  • Vorratstabelle der BLE: 4,0 kg Gemüse und 2,5 kg Obst je Person für 10 Tage, ohne Tiefkühlware.
  • BZL: rechnerisch rund 85 m² je Person für Gemüse, Kartoffeln und Obst bei ökologischem Anbau (Studie im Auftrag der Regionalwert AG).
  • ernaehrungsvorsorge.de: frisch eingelagert halten Kohl und Wurzelgemüse im Keller bei 1 bis 4 °C 3 bis 4 Monate, Kartoffeln bei 5 bis 10 °C 6 bis 8 Monate.
  • Verbraucherzentrale Niedersachsen: Gemüse nach 1 bis 2 Tagen ein zweites Mal einkochen (Botulismus).

Selbstversorgung in Krisenzeiten beginnt mit zehn Tagen Vorrat, nicht mit dem Beet

Das BBK rät, dass du dich für möglichst 10 Tage selbst versorgen kannst, schon ein Vorrat für 3 Tage hilft. Das Beispiel auf ernaehrungsvorsorge.de kommt auf circa 2.200 kcal je Person und Tag. Ein Beet wächst über Wochen, die ersten Tage eines Stromausfalls oder einer Krise mit leeren Regalen überbrückt nur, was schon im Regal steht.

Bau zuerst den Vorrat auf, nach meiner Prepper-Liste mit Mengen. Meine Familie peilt 30 Tage an. Früher habe ich Konserven für den Notfall gekauft, die keiner aß, sie liefen ab. Heute lagere ich nur Lebensmittel ein, die bei mir auch gegessen werden. Neu dabei? Lies zuerst den Einstieg in die Krisenvorsorge.

Deutschland erzeugt laut BZL-Seminar vom März 2026 nur rund 40 Prozent seines Gemüses

In einem Web-Seminar des BZL vom 10.03.2026 wird der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Gemüse mit 40 Prozent genannt, ein Bezugsjahr steht auf der Folie nicht. In den zehn Jahren vor 2021 schwankte er laut einer Antwort der Bundesregierung von 2021 zwischen 35 und 39 Prozent. Bei Tomaten stammen laut derselben Präsentation nur etwa 12 Prozent der Frischware aus Deutschland (Bezugsjahr 2024).

Frisches Gemüse hängt damit an Importen und kann in einer Versorgungskrise knapp werden. Ein eigener Garten ergänzt den Vorrat um dieses Gemüse.

Ein Garten liefert vor allem Gemüse, die Kalorien kommen aus Getreide, Kartoffeln und Öl

Die Vorratstabelle auf ernaehrungsvorsorge.de plant je Person für zehn Tage 4,0 kg Gemüse und Pilze, 2,5 kg Obst und 3,3 kg Getreideprodukte, Brot und Kartoffeln ein. Für meinen Haushalt mit drei Personen sind das 12 kg Gemüse in zehn Tagen.

Bei genau diesen 12 Kilo Gemüse kann ein eigener Garten helfen, denn Kohl, Möhren oder Bohnen aus dem Beet ersetzen einen Teil der Gläser und Dosen im Regal. Viel Energie liefert dieses Gemüse aber nicht: Grüne Bohnen aus der Konserve haben laut Vorratstabelle 21 kcal je 100 g, rohe Kartoffeln 76 kcal, Haferflocken 373 kcal.

Die Kalorien im Vorrat kommen vor allem aus Getreide, Brot, Kartoffeln und Öl, Kartoffeln aus dem Garten tragen dazu bei. Setz im Beet auf Sorten, die sich lagern lassen, etwa Kohl, Möhren, Rote Bete und Kartoffeln.

Für Gemüse, Kartoffeln und Obst rechnet eine Studie mit rund 85 Quadratmetern pro Person

Laut landwirtschaft.de (BZL) braucht eine Person rechnerisch rund 85 m², um sich mit Gemüse, Kartoffeln und Obst zu versorgen, bei ökologischem Anbau (Studie im Auftrag der Regionalwert AG Eichstetten). Wer nach Empfehlung der DGE mehr pflanzliche Lebensmittel isst, plant 140 m² pro Person.

Für drei Personen sind das 255 m² reine Anbaufläche. Ein Kleingarten ist laut Bundesverband der Kleingartenvereine im Schnitt 370 m² groß, die Beete würden also gut zwei Drittel davon belegen.

Plan deshalb eine Teilversorgung. Das BZL nennt den Anbau von Frühling bis Herbst als Sparweg, weil das Lagergemüse für den Winter wegfällt. Für die Krise ist das ein Zielkonflikt, denn gerade Lagergemüse hält ohne Strom.

Bei Stromausfall zählt nur Ernte, die ohne Gefriertruhe hält

Das Vorratsbeispiel auf ernaehrungsvorsorge.de rechnet bewusst ohne Tiefkühlware, weil zu einer Notlage ein Stromausfall gehören kann. Wie lange eine Truhe kalt bleibt, steht bei Kühlschrank bei Stromausfall.

Wie lange frische Ernte im Keller hält, zeigt die Tabelle mit Werten von ernaehrungsvorsorge.de. Am längsten halten Kartoffeln. Lager Kartoffeln nicht neben Zwiebeln, die lassen sie laut BZfE schneller keimen und faulen. Ich selbst lagere keine Ernte im Keller ein. Miss mit einem Thermometer, ob dein Keller im Winter diese Werte erreicht.

Ernte ohne Strom lagern

LebensmittelLagerortTemperatur, LuftfeuchteHaltbarkeitQuelle
Wurzel- und Kohlgemüse (Kohl, Porree, Rote Bete, Möhren)Keller1 bis 4 °C, 90 bis 95 %3 bis 4 Monateernaehrungsvorsorge.de
Kartoffeln, große MengenKartoffelhorde oder Lattenrost, dunkel, luftig5 bis 10 °C, 80 bis 90 %6 bis 8 Monateernaehrungsvorsorge.de
Äpfeldunkel, luftigmöglichst nicht über 5 °C, mindestens 85 %3 bis 5 Monateernaehrungsvorsorge.de
Gemüsekonserven im Glastrocken, luftig, Gläser dunkelmöglichst unter 20 °C1 bis 2 Jahreernaehrungsvorsorge.de
Obstkonserven, Marmelade, Geleetrocken, luftig, Gläser dunkelmöglichst unter 20 °C1 Jahrernaehrungsvorsorge.de
Getrocknetes (Hülsenfrüchte, Kräuter, Trockenobst)keine Angabekeine Angabebis zu 1 Jahrernaehrungsvorsorge.de
Reihe von Einmachgläsern mit eingekochtem Obst und Gemüse auf einem Holzregal
Foto: Yasin Onuş / Pexels

Einkochen macht die Ernte vorratsfähig, bei Gemüse rät die Verbraucherzentrale zu zweimaligem Einkochen

Laut der Übersicht zum Haltbarmachen auf ernaehrungsvorsorge.de halten eingekochte Säfte, Marmeladen und Chutneys (75 bis 100 °C) sowie Getrocknetes bis zu einem Jahr, Sauerkraut oder saure Bohnen einige Monate. Gemüsekonserven im Glas nennt die Lagertabelle oben mit 1 bis 2 Jahren.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt für Obst 20 bis 30 Minuten bei 80 bis 90 Grad, für viele Gemüsesorten 90 bis 120 Minuten bei 90 bis 100 Grad. Wegen Botulismus rät sie, Gemüse nach 1 bis 2 Tagen grundsätzlich ein zweites Mal einzukochen. Bei mir kocht nur meine Frau Marmelade ein, ich selbst nicht.

Gläser mit Marmelade und Eingemachtem, mit Papier abgedeckt
Foto: Pixabay / Pexels

Zweimal bis zu zwei Stunden Wasserbad kosten Energie. Einkochen gehört in Spätsommer und Herbst, solange Strom da ist. Bei Stromausfall brauchst du Gas und Feuer für die Mahlzeiten, siehe Kochen bei Stromausfall.

Trinkwasser gehört nicht ins Beet, der Garten braucht eine eigene Wasserquelle

Das BBK rechnet mit 2 Litern pro Person und Tag, für drei Personen und zehn Tage sind das 60 Liter zum Trinken und Kochen. Zum Gießen bei Stromausfall oder Trockenheit braucht der Garten eine eigene Quelle, etwa eine Regentonne. Ich habe nur eine kleine am Balkon, etwa 20 Liter, wegen des Gewichts am Balkon nicht größer. Ob du daraus auch trinken kannst, klärt mein Beitrag zu Wasser aus der Regentonne.

Mein Trinkwasser plane ich in drei Stufen: etwa 30 Liter in Flaschen im Haus, 80 Liter in Kanistern im Keller, danach Filter und eine Quelle im Wald. Wie du das aufbaust, steht unter Wasservorrat anlegen.

Meine persönliche Einschätzung: Garten ja, aber erst nach dem Vorrat

Seit 2019 baue ich zuerst Vorrat auf: Zehn Tage sind mein Minimum, meine Familie peilt 30 Tage an. Meine zwei Hochbeete auf dem Balkon bringen mich nicht über mehrere Krisentage, sie liefern frische Abwechslung und Vitamine. Wer mehr Platz hat, baut Lagergemüse an und lagert es kühl statt in der Gefriertruhe. Wer keinen Garten hat, steckt Geld und Zeit zuerst in Vorrat und Wasser. Stand: 12.10.2026.

Mein Fazit zur Selbstversorgung in Krisenzeiten

Selbstversorgung in Krisenzeiten heißt Vorrat plus Garten, in dieser Reihenfolge. Prüf diese Woche mit der Vorratstabelle, ob 4,0 kg Gemüse je Person in deinem Regal stehen. Wer einen Garten anlegen will, rechnet für Gemüse, Kartoffeln und Obst mit rund 85 m² pro Person und fängt kleiner an. Stand: 12.10.2026.

Häufige Fragen zur Selbstversorgung in der Krise

Wie viel m² braucht man für Selbstversorgung?

Laut landwirtschaft.de (BZL) braucht eine Person rechnerisch rund 85 m² für Gemüse, Kartoffeln und Obst, nach einer Studie im Auftrag der Regionalwert AG bei ökologischem Anbau, bei mehr pflanzlicher Kost 140 m². Für drei Personen sind das 255 bis 420 m², ein Kleingarten ist laut Bundesverband der Kleingartenvereine im Schnitt 370 m² groß.

Welche Lebensmittel sollte man im Notfall im Vorrat haben?

Das BBK rät zu Lebensmitteln, die ohne Kühlung halten und die du ohne oder mit kurzem Kochen essen kannst. Die Vorratstabelle auf ernaehrungsvorsorge.de nennt je Person für 10 Tage 4,0 kg Gemüse, 2,5 kg Obst und 3,3 kg Getreideprodukte, Brot und Kartoffeln.

Kann man sich in Deutschland komplett selbst versorgen?

Als Land beim Gemüse nicht: Den Selbstversorgungsgrad nennt ein BZL-Seminar vom März 2026 mit 40 Prozent, ohne Bezugsjahr. Als Haushalt rechnet eine vom BZL zitierte Studie für Gemüse, Kartoffeln und Obst mit rund 85 m² pro Person. Realistisch ist eine Teilversorgung mit Gemüse.

Welches frische Gemüse lässt sich ohne Strom am längsten lagern?

Laut ernaehrungsvorsorge.de halten von frisch eingelagertem Gemüse große Mengen Kartoffeln in der Horde bei 5 bis 10 °C 6 bis 8 Monate, Kohl, Porree, Rote Bete und Möhren im Keller bei 1 bis 4 °C 3 bis 4 Monate. Ergänzend: Was in der Natur essbar ist.

Robert
Über den AutorRobert

Ich bin Robert, verheiratet, Vater einer Tochter und ehemaliger Zeitsoldat. Seit 2019 betreibe ich mit meiner Familie Krisenvorsorge und teste Ausrüstung selbst im Alltag, vom Wasserfilter bis zum Kurbelradio. Hier teile ich, was sich bei uns bewährt hat und was nicht.

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